So kam es zum Ritt 2011
Naja wie plant man so einen längeren Ritt?
Eigentlich gibt's vorher die Idee, oder noch besser, ein Buch , mehrere Bücher über lange Abenteuerritte, Vorträge über lange Reisen mit dem Pferd und dann erwacht die Sehnsucht. Die Sehnsucht auch einmal länger mit dem Pferd unterwegs zu sein.
Und dann, bei einem Wanderritt, über eine Woche. Von Kefermarkt im Mühlviertel an die Tschechische Grenze, nach Aigen - Bayern - über die Donau bis Kopfing und Sigharting. Von Quartier zu Quartier, kommt man zur Feststellung, dass für einen längeren Wanderritt nicht unbedingt mehr Gebäck notwendig ist. Sondern lediglich ein Rasttag um die Wäsche zu waschen. Auch die Organisation der Quartiere erweist sich nicht als all zu schwierig. Der Empfang für Wanderreiter ist immer herzlich, Gespräche bald im Gang, und die Verköstigung lässt nicht zu wünschen übrig.
So wächst der Entschluss eines längeren Ritts. Welche Zeitspanne ist nun als Familienvater und Berufstätiger möglich. Drei,vier, vielleicht fünf Wochen. Welche Strecke lässt sich da bewältigen, ohne die Pferde und sich zu überfordern, den Ritt zu genießen. Aus Erfahrung sind 30, 35 km pro Tag realistisch.
Zufällig stößt man auf ein Buch vom Historischen Distanzritt Wien-Berlin, Berlin-Wien, 1892. Eine Strecke ca. 600 km Luftlinie, hin und retour reiten zu lang. Eine Strecke - sechshundert durch dreißig sind ca. 20 Tage. Knappe drei Wochen, mit einem Rasttag pro Woche, An- und Abreise, irgendwo um die vier Wochen.
Von Wien nach Berlin oder von Berlin nach Wien reiten? Der Entschluss ist bald gefasst. Um einem Zeitdruck mit fixem Abholtermin zu entgehen, reiten wir von Berlin nach Wien, somit steht einem Genussritt nichts im Wege.
Nun gilt es, einen Transport zu organisieren, den Zeitpunkt des Ritts zu fixieren, Infomaterial zu beschaffen. Frühjahr oder Herbst? Eigentlich egal. Das Wetter kann immer unbeständig sein, beide Jahreszeiten haben ihren Reiz. Wir entscheiden uns für einen Abritt nach Ostern, um zur Heuernte wieder daheim zu sein. Auch können wir so den Winter zur Planung nutzen.
Kontakte werden geknüpft, Gespräche mit Wanderreitern , die schon länger und auch in dieser Gegend unterwegs waren , geführt. Informationen über Kartenmaterial, Quartierorganisation, Ansprechpartner eingeholt. Eine Weitervermittlung von Quartier zu Quartier als durchaus realistisch mitgeteilt.
Falls doch mal eine Nacht im Freien ansteht, nehmen wir zusätzlich zum Schlafsack, Isomatte und Biwaksack mit.
Unverzichtbar im Gepäck ist für uns ein ordentliches Beschlagswerkzeug, sprich Zange, Hammer, Nietenzange, Raspel, Haueisen und Hufmesser, sowie eine Handvoll Hufnägel. Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass es viel wert ist, auch mal ein abgetretenes Hufeisen ausbiegen und aufnageln zu können.
Um Gepäck und Gewicht zu sparen fällt diesmal die Entscheidung beim Maßstab der Landkarten statt 1/25.000 auf 1/50.000. Landkarten für Brandenburg, Sachsen und das Weinviertel besorgt.
Bei einem Ausflug nach Znaim, tschechische Wanderkarten gekauft, und bei einer Wanderung im Thayatal- Nationalpark gleich getestet, optimales Kartenmaterial.
Nun gilt es die Route festzulegen. Start in Berlin, Ziel in Wien, wie beim Distanzritt 1892. Wir legen alle Landkarten am Boden auf, und ziehen mit einer Dachlatte einen roten Strich, an dem wir uns orientieren werden. Durch Kontaktaufnahme mit dem VFD ( Vereinigung der Freizeitreiter Deutschland) bekommen wir ein Startquartier in Zossen, in der Nähe der Stadtgrenze Berlin.
Auf einen Abritt am Historischen Start, Berlin-Tempelhofer Feld, verzichten wir. Weil durch die Stadt reiten? Muss nicht sein.
Informationen über erforderliche Impfungen, Untersuchungen und Papiere erteilt uns die Amtstierärztin. Ebenso erhalten wir von ihr eine Reiseapotheke.
Planung soweit abgeschlossen und mit den länger werdenden Tagen kann das Training optimiert werden. Durch die Haltung im Offenstall sind unsere Pferde immer an Bewegung gewöhnt. Durch Reiten im Schnee, Einspannen vor den Schlitten und gelegentliche längere Ausritte halten wir unsere Pferde auch im Winter fit. Wichtig ist auch, möglichst in unebenem Gelände unterwegs zu sein, um die Muskelansätze und Sehnen zu kräftigen. Immer länger werdende Ausritte, bis zu drei,vier Stunden mit wechselnden Schritt-, Trab- und Galopp- Phasen runden das Aufbautraining ab.